Geschichten · Aus Lulu! Das Magazin

Humor ohne Häme

Die Kunst, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

Redaktionell bearbeitete Webfassung nach dem Beitrag „Humor ohne Häme" aus Lulu! Das Magazin, Ausgabe 2.

Humor gehört zu den seltsamsten Fähigkeiten des Menschen. Er kann verbinden oder verletzen, Spannungen lösen oder Konflikte verschärfen, Menschen zusammenführen oder ausgrenzen. Wer öffentliche Debatten verfolgt, gewinnt manchmal den Eindruck, dass viele nur noch übereinander lachen. Der Spott richtet sich gegen politische Gegner, andere Meinungen, fremde Lebensweisen oder gegen Menschen, die einen Fehler gemacht haben. Oft scheint es wichtiger zu sein, den besten Schlag auszuteilen als gemeinsam zu schmunzeln.

Die Schlaraffia verfolgt seit ihrer Gründung einen anderen Ansatz. Hier beginnt Humor bei einem selbst. Wer über sich selbst lachen kann, muss andere nicht herabsetzen. Wer die eigenen Schwächen kennt, begegnet auch den Schwächen anderer gelassener. Und wer gelernt hat, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen, gewinnt oft gerade dadurch an Größe.

Das bedeutet nicht, dass in der Schlaraffia ständige Harmonie herrscht. Wortspiele, Neckereien, augenzwinkernde Sticheleien und freundschaftliche Frotzeleien gehören seit jeher zum Spiel. Doch sie folgen einem unausgesprochenen Grundsatz: Gelacht wird miteinander, nicht übereinander. Dieser Unterschied mag klein erscheinen. Tatsächlich verändert er jedoch die gesamte Atmosphäre eines Abends.

Humor wird dadurch zu einem Werkzeug der Nähe. Er baut Berührungsängste ab, hilft neuen Gästen beim Ankommen und bringt manchmal Männer miteinander ins Gespräch, die sich außerhalb der Burg vermutlich nie begegnet wären. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand eine kunstvoll gereimte Fechsung vorträgt oder sich bei einem Beitrag verhaspelt. Oft entstehen die schönsten Lacher gerade aus den kleinen Missgeschicken des Augenblicks – nicht weil jemand ausgelacht wird, sondern weil alle Beteiligten erkennen: Perfektion ist hier nicht das Ziel.

Die Schlaraffia schafft einen Raum, in dem Menschen ausprobieren dürfen. Einen Ort, an dem nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Einen Abend, an dem Kreativität wichtiger ist als Perfektion und Herzlichkeit wichtiger als Schlagfertigkeit. Wer gemeinsam mit anderen über die kleinen Absurditäten des Lebens lachen kann, entdeckt oft etwas Erstaunliches: Viele Probleme werden kleiner, und viele Menschen rücken näher zusammen.

Humor löst nicht alle Schwierigkeiten. Aber er erinnert daran, dass das Leben leichter wird, wenn man es nicht ständig bierernst nimmt.

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Diese Geschichte stammt aus Ausgabe 2 von Lulu! Das Magazin — online zum Blättern und als PDF.

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